"Flackernde" Melder

Fehlerhafte Rückmeldung der S88-Busleitung - Problem und Lösung!

Der heutige Eintrag in der Rubrik "Tipps und Tricks" behandelt ein an sich nicht unbekanntes  Problem des S88-Rückmeldebusses. Dieses wird hinlänglich auch im Internet diskutiert, ich habe mich aber trotzdem entschieden, einen kurzen Beitrag darüber auf meine Webseite zu stellen, da es mich durchaus einiges an Aufwand und "Trouble-shooting" gekostet hat und für einzelne von Euch interessant sein könnte. Der Eintrag wendet sich vor allem an Digital-Bahner, die mit Belegtmeldern und dem S88-Bussystem arbeiten.

Hintergrund: 

Die Belegtmeldung der Blöcke auf meiner Anlage erfolgt Bus-technisch über ein HSI-88 von Littfinski via USB an den Computer, auf dem TrainController (TC) von Freiwald Software läuft. Das HSI-88 erhält die Daten aus drei S88-Busse (links, mitte, rechts), welche das Ein- und Ausschalten der Melder an das Interface und damit zum PC übertragen. TC braucht diese Daten, um den Blockzustand (belegt/nicht belegt) zu kennen und damit die Zugfahrten korrekt ablaufen zu lassen. Die Entscheidung für dieses Bus-System fiel Ende 2005. Heute gibt es neue und bessere Busse, ein Umbau ist auf meiner Anlage aber nicht zu realisieren. Und bis neulich hatte ich ja auch nie Probleme damit!

Fehler im Rückmelde-System führen zwangsläufig zu Problemen bei der Automatik-Steuerung. So hatte ich kürzlich plötzlich (sprich: nach dem endgültigen Verkabeln der BLS-Gleise im Bahnhof Oberegg) das Problem, dass Zugfahrten manchmal in einem Block VOR dem Zielblock stehen blieben und die Zugfahrt dort endete. Der eigentliche Zielblock zeigte einen nicht-belegten Zustand, enthielt aber das Lok-Symbol. Der Block hingegen, auf dem der Zug hielt, zeigte einen belegten Zustand, aber OHNE das Lok-Symbol. Gift für einen reibungslosen Betrieb! Das Bild unten zeigt den Fehler:

Aber warum dieses Verhalten, was war die Ursache?

Nach einer kurzen Diskussion im TC-Forum war klar, dass offenbar Melder zu "flackern" schienen. Das heisst, die Melder schalten einen Bruchteil einer Sekunde ein und dann wieder aus, obwohl kein Zug auf dem Abschnitt steht. Sehr oft ist das gar kein Problem und es passiert nichts. Geschieht dies aber genau dann bei einem Haltemelder des Zielblocks, wenn dieser von TC bereits für den Zug reserviert wurde (meist befindet sich der Zug dann ein oder zwei Blöcke vor dem Zielblock), dann denkt TC, dass der Zug den Haltemelder erreicht hat und beendet die Zugfahrt. Der Zug stoppt dann ein oder zwei Blöcke vor dem eigentlichen Zielblock, was definitiv unerfreulich und vor allem bei Automatik-Betrieb äusserst unerwünscht ist!

Ich liess mir nun bei jedem Ausschalten der betroffenen Melder eine Meldung in TC anzeigen, da das "flackern" so kurz war, dass man es auf dem Monitor gar nicht sehen konnte. Damit konnte ich genau feststellen, wann diese ein- und ausgeschaltet werden. Es war unregelmässig, so alle ein, zwei Minuten.

Als erstes überprüfte ich die gesamte Verdrahtung des betroffenen Abschnitts auf Segment 11 und 12, wo das Problem manchmal auftrat. Ohne Erfolg. Ich fand keinen Fehler.

Dann tauschte ich die betroffenen Rückmelde-Module (RM-GB-8 von Littfinski) aus. Fehlanzeige, das "flackern" blieb, gewisse Melder schalteten immer noch alle paar Minuten einfach ein und wieder aus, ohne dass eine Lok oder ein Waggon dies auslöste.

Da die Segmente 11 und 12 am weitesten vom HSI-88 entfernt liegen, die Buslänge also am grössten ist, vermutete ich anschliessend, dass kein Problem der Rückmeldemodule oder der Leitungen vom Gleis zu den Rückmeldemodulen bestand, sondern im S88-Bus selber. Vielleicht ist der Bus zu lang? Die Länge des Busses kann ich aber nicht ändern, da ich die Grösse der Anlage nicht ändern kann! Der Austausch der Buskabel als nächster "trial-and-error"-Versuch half, wie eigentlich schon erwartet, auch nicht. 

Langsam begann mich das Problem wirklich zu faszinieren.

Bilder der S88-Buskabel, angeschlossen an die RM-GB-8 von Littfinski. Verwendet werden die "alten" Kabel (ein Klick vergrössert die Aufnahmen):

Ich wusste schon lange, dass der S88-Bus recht sensibel auf Störungen von aussen reagiert, hatte aber bislang damit keine Probleme, da ich schon beim Verdrahten darauf geachtet hatte, dass die S88-Kabel nicht zu nahe an der Digital-Ringleitung und an den Trafo-Leitungen lagen.

Es schien aber, dass durch die grössere Buslänge auf den Segmenten 11 und 12 trotzdem Störungen auftraten, die die Falschmeldungen erzeugten. Und ganz vermeiden kann man die Proximität zu anderen stromführenden Leitungen (auch den Gleisen!) natürlich nicht immer.

Der nächste Schritt, ebenfalls als "Versuch und Irrtum" gedacht, bestand daraus, dass ich die Buskabel der betroffenen Bereiche mit Alufolie umwickelte, um sie gegen äussere Störungen so gut wie möglich zu schützen. Meine Hoffnung war nicht allzu gross, dass das funktionieren würde.

Aber: Heureka!

Auf einen Schlag war das "Flackern" der Melder wie weggezaubert! Nach längeren Testfahrten liess ich mich definitiv davon überzeugen, dass das Problem damit gelöst war. Traten die Fehler vorher im Minutentakt auf, kann nun der Betrieb über einen beliebigen Zeitraum laufen, ohne dass ein einziger der betroffenen Melder falsch anschlägt.

Die mit herkömmlicher Alufolie umwickelten Bus-Leitungen:

Das Problem ist also gelöst! Ich werde nun alle S88-Busleitungen so einwickeln und abschirmen, auch wenn das Problem auf den anderen Anlagen-Segmenten nicht aufgetreten ist. Aber sicher ist sicher!

Ich hoffe, dass ich dem einen oder anderen von Euch mit diesem Eintrag helfen kann, einem vielleicht ähnlich gelagerten Problem auf seiner eigenen Anlage auf die Schliche zu kommen. Wenn ja, hat sich dieser Eintrag schon gelohnt!

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